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Sicherheitswesten

Sicherheitswesten

Besonders im Reitsport ist es von größter Bedeutung, den eigenen Körper angemessen vor gefährlichen Verletzungen zu schützen. Ob in der Dressur, beim Vielseitigkeitsreiten, Springen oder freizeitmäßig im Gelände gefährliche Situationen lassen sich nie vollständig ausschließen und passieren oftmals plötzlich. Unabhängig von der eigenen Reiterfahrung ist man in unvorhersehbaren Schreckmomenten meist machtlos und muss sich auf seine Schutzausrüstung absolut verlassen können. Ebenso wie der Reithelm sollten eine Sicherheitsweste oder ein Rückenprotektor zur persönlichen Basisausstattung zählen, ganz gleich ob es ins Gelände geht, zum Anreiten von Jungpferden oder auf Turniere.
Bis zur Jahrtausendwende waren Sicherheitswesten fast ausschließlich in der Geländeprüfung der Vielseitigkeitsreiterei anzutreffen. Das Tragen einer Schutzweste ist in dieser Reitsportdisziplin bereits seit vielen Jahren Pflicht. Mittlerweile haben sich die Westen auch in anderen Bereichen des Reitsports etabliert; insbesondere beim Springen, auf Ausritten ins Gelände sowie für Anfänger und Kinder.
Eine Schutzweste erfüllt den Zweck, den Torso (speziell Brustkorb und Wirbelsäule) vor gefährlichen Verletzungen zu schützen. Abgesehen von Kopfverletzungen ist es im Oberkörper- und Rückenbereich am wahrscheinlichsten von schwerwiegenden Verwundungen getroffen zu werden. Brüche und Prellungen der Extremitäten sind zwar schmerzhaft und benötigen relativ lange bis sie verheilt sind, allerdings ist hier seltener mit lebensgefährlichen oder dauerhaften Verletzungen zu rechnen (Ausnahmen kommen selbstverständlich immer vor). Unter Berücksichtigung dieser Aspekte, macht der Einsatz einer Schutzweste auch für den 'durchschnittlichen' Freizeitreiter Sinn, selbst wenn eine Sicherheitsweste 'nur' schmerzhafte Prellungen im Rückenbereich verhindert. Letztendlich muss jedoch jeder Reiter selbst entscheiden, wie viel Restrisiko er in Kauf nehmen möchte bzw. was er bereit ist, in die eigene Sicherheit und Gesundheit zu investieren.


Prüfnormen von Sicherheitswesten

Zur Ermittlung der Schutzfunktion von Sicherheitswesten gibt es die EN 13158 und ein ähnliches Prüfverfahren in England, die BETA. Beide vergeben ein Level von 1 3, das die Schutzfunktion bewertet und nicht mit den Level 1 und 2 der Rückenprotektoren gleichzusetzen ist.


Die richtige Passform der Sicherheitsweste

Die richtige Passform einer Sicherheitsweste ist essentiell. Ungeübte Reiter, Kinder oder auch Reiter 'schwieriger' Pferde stürzen häufiger und sind folglich einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt. Ist die getragene Sicherheitsweste zu groß, besteht das Risiko, dass sie beim Sturz in den Nacken rutscht und den Reiter im Halsbereich verletzt.
Um die richtige Passform der Schutzweste herauszufinden, sollten der Brust- und Taillenumfang sowie Rückenlänge und die Körpergröße gemessen werden. Ebenfalls sollte über die Schultern von Taille zu Taille gemessen werden (entsprechend dem Verlauf eines Hosenträgers).
Idealerweise wird im Sitzen auf einem Stuhl oder noch besser in einem Sattel gemessen. Die Rückenlänge wird vom Steißbein aufwärts bis zum ersten ertastbaren großen Halswirbel (7. Halswirbel, Vertebra prominens) gemessen, indem mit dem Maßband dem Wirbelsäulenverlauf gefolgt wird. Um das Aufsitzen bzw. Kollidieren mit dem Hinterzwiesel zu vermeiden, sollte der Abstand zum Sattelkranz in etwa 3-5cm betragen. Unbedingt zu vermeiden ist weiterhin eine Überlänge im Genickbereich: Das Rückenteil darf den 7. Halswirbel in keinem Fall überragen. Liegt die Schutzweste oberhalb diesen Wirbels, ist das Risiko eines Genickbruchs bei einem Sturz deutlich erhöht. Deshalb sollte auch beim Kauf von Zwischengrößen berücksichtigt werden, dass eher auf die kürzere anstatt auf die längere Variante zurückgegriffen wird. Da moderne und den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechende Westen aus thermoelastischem Schaum gefertigt sind, sollten diese Modelle bei der ersten Anprobe etwa 5min getragen werden, damit sie sich dem Körper anatomisch korrekt anpassen können.
Bei einer optimalen Passform und festem Sitz der Sicherheitsweste, stellt auch die oft vertretene Meinung einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit keine Argumentationsgrundlage mehr dar. Weiterhin ist der psychologische Effekt, den das Tragen einer Sicherheitsweste auf den Reiter hat von Bedeutung. Besonders etwas ängstlicheren Reitern kommt der zusätzliche Sicherheitsfaktor zu Gute: Das individuell gesteigerte Sicherheitsempfinden und der damit einhergehende Zuwachs an Souveränität, überträgt sich in den meisten Fällen auch auf das Pferd, was kritische Situationen häufig entschärft, bevor es zu gefährlichen Stürzen und Verletzungen kommt.


Vorteile von Sicherheitswesten gegenüber Rückenprotektoren

Sicherheitswesten besitzen im Gegensatz zu Rückenprotektoren eine umfassendere Schutzfunktion. Rückenprotektoren schützen ausschließlich die Wirbelsäule, wobei die seitlichen Rückenbereiche, der Brustbereich sowie die Schultern nicht mit zusätzlichen Protektoren ausgestattet sind (eine Ausnahme stellen Wirbelsäulen-Protektoren mit breitem Rückenteil dar). Statistisch gesehen, passieren die meisten Unfälle beim Springen, gefolgt vom Sturz oder Ausrutschen des Pferdes. Hinzu kommende Verletzungsrisiken wie bockende oder auf den Reiter tretende Pferde, können durch das Tragen einer Schutzweste die ebenfalls den Brust-, Rippen- und Schulterbereich schützt, eingeschränkt werden.
Bei einer korrekt eingestellten und verschnallten Sicherheitsweste, steht der Tragkomfort dem eines Rückenprotektors inzwischen kaum noch nach.
Auch die ventilierenden Eigenschaften der voll umschliessenden Schutzwesten sind nicht mehr signifikant geringer als bei Rückenprotektoren. Auch im Rückenbereich bieten die gepolsterten Rückenprotektoren keine spürbar verbesserte Luftzirkulation.

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